IT DIRECTOR - Web 2.0, Gefahr oder Chance? Interview mit RedDot Vorstand Daniel Kraft

14 Apr 2008

IT-DIRECTOR: Was meint Open Text mit Enterprise 2.0?
D. Kraft: Enterprise 2.0 meint die Anwendung des 2.0-Gedanken im professionellen Umfeld. Dabei lassen sich zwei Schwerpunkte herausstellen: Die Menschen wünschen sich, dass die Anwendungen, die sie aus dem privaten Umfeld kennen, auch von ihrem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden. Das bezieht sich nicht nur auf sogenannte Digital Natives, d. h. junge Leute, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, sondern auf Menschen in jeder Altersstufe. Ihr Profil im Intranet soll mindestens so gut aussehen, wie das bei XING oder LinkedIn, so der Anspruch. Ein noch wichtigerer Punkt ist die Kommunikation. Jede Organisation steht vor der Herausforderung, das Wissen im Unternehmen verfügbar zu machen. Die Illusion, dass dies zentral verwaltet werden kann, hat sich mittlerweile erledigt. Nur wenn ich es schaffe, dass die Menschen sich miteinander austauschen, Themen besprechen, diskutieren und Netzwerke bilden, habe ich als Organisation die Chance im globalen Wettbewerb zu bestehen. Es kommt nicht darauf an, was der Chef oder der Entwicklungsleiter weiß, sondern, dass er es schafft, die Stärken seiner Teams auch durch digitale, integrierte Kommunikation mit neuen Lösungen bestmöglich zu vernetzen.

IT-DIRECTOR: Was meinen Sie in diesem Zusammenhang mit „integriert“? Web 2.0 wird ja bereits in vielen Unternehmen abteilungsintern oder mit Einzellösungen erfolgreich umgesetzt.
D. Kraft: Das ist der entscheidende Faktor zum Erfolg! Die Menschen wenden 2.0 ja bereits an, und es liegt am Management dies aktiv zu unterstützen. Aber nur wenn ich diese Inhalte und Aktivitäten mit den Inhalten und Prozessen im Unternehmen verbinde, werde ich erfolgreich sein. Foren, Blogs und Wikis dürfen nicht zu neuen Content-Inseln werden, die neben der Content Management-Strategie der Organisation eigenständig bestehen und sich nicht integrieren. Das setzt eine Lösung voraus, die Foren, Blogs oder Wikis als integrierte Bausteine mit einheitlicher Benutzerverwaltung und übergreifender Suche in einem ECM-Gesamtsystem anbietet. Anderenfalls erzeugen Sie eben diese Content-Inseln, die weder vernetzt noch in einem Gesamtzusammenhang durchsuchbar sind. Ein weiteres Problem liegt in der Sicherheit: Mit jeder nicht integrierten Anwendung kommt eine zusätzliche Nutzerverwaltung mit Passwörtern, Administrationsaufgaben etc. hinzu. Wir kennen das bereits von der Thematik des E-Mail-Managements. Enterprise 2.0 ist eine weitere Komponente und muss in Sinne einer Enterprise Content Management-Strategie als integrierter Baustein eingesetzt werden.
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