IT Director - Titelstory: Perspektiven schaffen Überblick

29 Nov 2007

Nov 2007, IT Director

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IT-Director: Die genannten Softwareanbieter, insbesondere SAP und Oracle, bauen nicht nur ihre Aktivitäten im klassischen ECM-Umfeld sondern - wie die Übernahme von Business Objects durch SAP und das Übernahmeangebot von Oracle an BEA zeigt - auch ihr Engagement im Business Intelligence- und Portal-Segment aus. Was bedeutet das für Open Text?

U.Sträuli: Ich denke, SAP verfolgt mit seiner Strategie mehrere Ziele. Zum einen haben die Verantwortlichen sicher erkannt, dass sie nicht ausschließlich auf organische Wachstumskomponenten setzen können. Sie benötigen Zukäufe, um ihre Marktposition auszubauen. Meines Wissens hat SAP aber auch sein Business analysiert und "white spots" definiert, die es zu besetzen gilt.
Mit der Business Objects-Übernahme beseitigt man durch den Aufkauf von Know-how solch einen "white spot" im Bereich Business Intelligence. Gleichzeitig gewinnt SAP durch die Akquisition neue Kunden und stärkt seine Marktpräsenz. Um bestehende Angebotsdefizite in bestimmten Bereichen zu beseitigen setzt SAP aber auch verstärkt auf strategische Kooperationen - unter anderem mit Open Text. Im Juni haben wir gemeinsam ein spezielles Partnerprogramm für SAP-Reseller und -Implementierungspartner ins Leben gerufen. Als logische Ergänzung zur bestehenden strategischen Partnerschaft mit SAP verfolgen wir mit dem neuen Channel-Programm das Ziel, die ECM-Expertise der SAP-Partner zu stärken und sie zum strategischen ECM-Lieferanten ihrer Kunden zu machen. Darüber hinaus wird den Partnern die Möglichkeit geboten, die Enterprise Library Services als Kern des Ökosystems von Open Text zum Beispiel um branchenspezifische Funktionalitäten zu erweitern und diese in die Anwendungslandschaft ihrer Kunden zu integrieren. Eine starke Nachfrage sehen wir zudem im Bereich des SAP Enterprise Portals. Viele Kunden wie B. Braun, E.ON Ruhrgas, EWE und Hugo Boss setzen auf die Content-Lösungen von RedDot für das SAP Portal, um Inhalte und Navigationen personalisiert pflegen und anzeigen zu können. B. Braun beispielsweise bietet mit einer Kombination aus RedDot und SAP Portal seinen 31.000 Mitarbeitern in 190 internationalen Tochtergesellschaften einen individuellen, mehrsprachigen Zugriff auf das Unternehmenswissen. Die Lösung wird durch eine unternehmensweite Archivstruktur von Open Text abgerundet. Damit steigern diese Unternehmen ihre Innovationsgeschwindigkeit und werden in der Zusammenarbeit effizienter.


IT-Director: Wie sieht es mit den Wachstumsambitionen von Open Text aus?

U.Sträuli: Open Text hat es sich zum Ziel gesetzt bis zum Jahr 2010 ein "1-Milliarden-Dollar-Unternehmen" zu werden. Der ECM-Markt wächst jährlich um 15 Prozent - das ist sicher schön, für dieses Ziel aber nicht ausreichend. Das heißt, mit organischem Wachstum allein werden wir es nicht schaffen. Zukäufe sind also zu erwarten. Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder wir übernehmen einen der bereits genannten verbliebenen unabhängigen kleinen ECM-Hersteller und erhöhen damit Kundenbasis und Marktanteil. Oder wir kaufen einen Nischenanbieter mit hoher Marktverbreitung, dessen Speziallösungen wir über die Multilayer-Plattform in unsere Content-Management-Lösungen integrieren. Variante Drei wäre die Übernahme eines Anbieters, der technologisches Know-how hat, über das wir bis dato nicht verfügen und uns so Zugang zu neuen Märkten eröffnet. Hier bieten sich insbesondere Unternehmen aus dem Portalumfeld aber auch aus dem Infrastrukturbereich an.


IT-Director: Welchen Stellenwert haben Portal-Lösungen innerhalb der Geschäftsstrategie von Open Text?

U.Sträuli: Einen großen. Open Text hat sich bereits vor der Übernahme von RedDot intensiv mit dieser Thematik beschäftigt und vielfältige Portalanwendungen realisiert. Mit Hilfe von RedDot sind wir heute darüber hinaus in der Lage gängige Portale wie von SAP, IBM oder Microsoft um personalisiertes Content Management zu erweitern. Das ist wichtig, denn viele Unternehmen erkennen die Chancen, die in der effizienten Vernetzung ihrer Mitarbeiter, ihrer Kunden oder ihrer Geschäftspartner über Portale liegen. Die modulare RedDot Suite besitzt alle dazu notwendigen Funktionalitäten - von der einfachen Inhaltserstellung über innovative Personalisierungslösungen, die Integration jeglicher Content-Quellen bis hin zu Web 2.0-Funktionen.
Es hat einen Paradigmenwechsel gegeben. Früher waren Portale oft nur eine Blackbox, ein Schaufenster, in das Unternehmen Informationen für den firmeninternen Gebrauch hineingestellt haben. Ich behaupte, dass in vielen dieser Fälle der Kantinenplan das am häufigsten aufgerufene Dokument war. Die Anforderungen an Portale sind heute deutlich komplexer. Es geht darum, den Nutzen von Portalen zu überprüfen und ständig zu hinterfragen. Wenn jemand heute ein Portalprojekt startet, muss er einen holistischen Ansatz verfolgen. Das heißt, wenn nicht ein großer Teil der Wertschöpfungskette darin abgebildet ist, oder neue Geschäftsfelder erschlossen werden, oder der Kundenservice massiv erhöht wird, oder der Wissensaustausch drastisch gefördert wird, dann bringen Portale keinen Nutzen. Jedes Portalprojekt, hinter dem keine Content Management Infrastruktur steht, wird Probleme bekommen.
Investitionssicherheit ist ein weiteres wichtiges Thema, bei dem wir gute Argumente für unsere Portallösungen haben. Portale sollen ja langfristig als zentrale Schnittstelle zu Applikationen und jeder Art von Content fungieren. In Zukunft wird Content aber auch in Unternehmen zunehmend nutzergeneriert über Blogs, Foren oder Wikis erstellt werden. Damit auch auf diese Web 2.0-Inhalte personalisiert und sicher zugegriffen werden kann, wurden in der RedDot Suite leicht nutzbare Web 2.0-Lösungen implementiert. Ein gutes Business-Portal muss schließlich beides bieten: Eine Fülle an Informationen aus verschiedensten Quellen sowie intelligente Filtermechanismen, um die Relevanz des riesigen Content-Pools anhand von Metadaten wie Sprache, Region, Hierarchien, Berufsgruppen, Abteilungen oder Interessen individuell zu steigern.

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